Birka
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Karte der Insel Björkö um 1700. Aus Svecia Antiqua et Hodierna.
Birka und Hovgården, gelegen auf zwei benachbarten Inseln (Björkö und Adelsön) in Schwedens drittgrößtem See, dem Mälaren, wurden 1993 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie geben Zeugnis vom Handelsnetz der Wikinger in den 200 Jahren, in denen sie wirtschaftlich und politisch in Europa expandierten. Birka war der wichtigste Handelsplatz Schwedens zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert, während auf Adelsön, bei Hovgården der Wohnsitz des Königs lag.
Geschichte
Birka war Schwedens erste Stadt. Sie wurde etwa 790 n. Chr. auf der Insel Björkö gegründet. Der heutige Mälaren war damals eine Bucht der Ostsee (mit ca. 5 Meter höherem Wasserstand), und wichtige Wasserwege führten an der Insel vorbei. Die Stadtgründung diente einerseits der Erweiterung, andererseits der Kontrolle des Handels. Auf der benachbarten Insel Adelsön wurde ein Königshof gebaut.
Ungefähr 200 Jahre lang war Birka ein Handelsplatz für ganz Nordeuropa. Arabisches Silber, Perlen aus Osteuropa und Russland, Eisen aus dem heutigen Bergslagen und Felle und Pelze aus dem Norden wurden in der Stadt gehandelt. Die Ausgrabungen weisen auf eine Gesellschaft mit starker Hierarchie und großen Klassenunterschieden hin. Die Stadt hatte in ihrer Blütezeit etwa 700–1.000 Einwohner.
Aus schriftlichen Quellen geht hervor, dass der Mönch Ansgar im Jahr 830 nach Birka kam, um das Christentum zu verbreiten. Er verbrachte anderthalb Jahre in Birka, und einige Einwohner – meist aus den unteren Schichten – ließen sich taufen, aber Birka wurde nie eine christliche Stadt
Eine zweite Missionsreise im Jahr 852 war noch weniger erfolgreich.
Das Ende von Birka
In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde Birka verlassen. Man vermutet, dass die skandinavische Landhebung den Schiffsverkehr, durch den sinkenden Wasserspiegel, erschwerte und so das von Erik Segersäll 970 gegründete Sigtuna Birkas Rolle als Handelsplatz übernahm.
Der Königshof auf der Insel Adelsö wurde weiterhin genutzt, und im 13. Jahrhundert wurde der königliche Palast Alsnö hus errichtet. Doch wurde er im 14. Jahrhundert gebrandschatzt oder aufgegeben und verfiel.
Auf beiden Inseln befinden sich insgesamt über 3.500 Grabhügel aus der Wikingerzeit, von denen die meisten bereits vor über hundert Jahren ausgegraben wurden. Die meisten und wichtigsten Fundstücke befinden sich nicht im Birka-Museum, sondern aus Sicherheitsgründen im Historiska Museet in Stockholm. Trotzdem lohnt sich eine Fahrt nach Birka bzw. Björkö durch die Schären des Mälaren. Mit dem Auto kann man auch bis zu Hovgården auf Adelsön fahren.
Haithabu
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Haithabu (altnordisch Heiðabýr, aus heiðr = Heide, und býr = Hof; dänisch Hedeby, lateinisch Heidiba, heutiger deutscher Name Haddeby) war als erste echte mittelalterliche Stadt in Nordeuropa ein Handelsort und Hauptumschlagsplatz für den Handel zwischen Skandinavien, dem Nordseeraum und dem Baltikum.
Haithabu lag auf der Kimbrischen Halbinsel an der Schlei in der Schleswigschen Enge (Isthmus) zwischen Nordsee und Ostsee in der Nähe des historischen Ochsenwegs (oder Heerweg). Der Ort gehörte zur Arensharde. Heute gehört das Gelände zur Gemeinde Busdorf nahe Schleswig im Kreis Schleswig-Flensburg in Deutschland.
Der seit Jahrhunderten verlassene Ort ist zusammen mit dem den Ort umgebenen Danewerk und dem Ringwall der slawischen Wagrier in Oldenburg in Holstein eines der bedeutendsten archäologischen Bodendenkmäler in Schleswig-Holstein.
Geschichte des Ortes
Nach der Völkerwanderung, in deren Verlauf die Angeln und viele Sachsen vermutlich nach England auswanderten, drängten Dänen und Jüten in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts von Norden bis zur Schlei und Eckernförder Bucht vor. Das Gebiet scheint zu diesem Zeitpunkt nur noch dünn besiedelt gewesen zu sein.
Gedenkstein an die Erstnennung von Sliesthorp (= Haithabu) im Jahre 804
Spätestens um 770 wurde Haithabu, der damals bedeutendste Handelsplatz der Dänen, gegründet. Im 9. Jahrhundert entstand eine zweite Siedlung weiter nördlich und eine weitere Siedlung am Haithabu-Bach dazwischen. Ende des 9. Jahrhunderts wurden der nördliche und südliche Teil der Siedlung aufgegeben. Der mittlere Teil am Haithabu-Bach wurde weiter benutzt und durch Wälle in die dänischen Grenzanlagen des Danewerks eingebunden.
Durch die Zerstörung des konkurrierenden slawischen Handelsortes Reric (in der Nähe von Wismar) durch den dänischen König Gudfred (Göttrick) (auch: Godofridus) im Jahr 808 und die anschließende Zwangsumsiedlung der Kaufleute nach Haithabu entwickelte sich die Stadt noch vor Erlangung der Einheit Dänemarks rasch zur Handelsstadt. Seit 811 markierte die einige Kilometer südlich gelegene Eider die Grenze zum Frankenreich, was die Bedeutung Haithabus noch vergrößerte. Wahrscheinlich wurden hier Handelsgüter verladen, die über Land bis zur Eider gebracht und von dort weiter zur Nordsee verschifft wurden - und umgekehrt.
Vom 9. bis ins 10. Jahrhundert war Haithabu mit mindestens 1.000 Einwohnern ein wichtiger internationaler Handelsplatz. Hier wurden auch eigene Münzen geprägt. Andere Handelszentren in Nord- und Westeuropa, ohne die Haithabu keine solche Bedeutung hätte erlangen können, waren zu dieser Zeit u. a. Västergarnviken (heute Paviken) und Fröjel auf Gotland, Avaldsnes und Kaupang (Norwegen), Birka Uppåkra bei Lund und Sigtuna (Schweden), Dorestad (Niederlande), Quentovic (Frankreich), Nowgorod (Russland), Ribe und Tissø (Dänemark) und an der südlichen Ostseeküste Jomsburg (Vineta), Menzlin, Ralswiek, Truso (bei Danzig) und Wiskiauten (bei Cranz), sowie Seeburg im Baltikum. Um 890 unternahm Wulfstan von Haithabu im Auftrag Alfred des Großen eine Reise nach Truso.
Im Jahr 934 besiegte der ostfränkisch-sächsische König Heinrich I. die Dänen unter König Knut I. in der „Schlacht von Haithabu“ und eroberte die Stadt anschließend. Damit fiel das Gebiet zwischen der Eider und der Schlei für etwa ein Jahrhundert an das Ostfränkische bzw. Römisch-Deutsche Reich. Das skandinavische Herrschergeschlecht blieb aber noch eine Generation im Amt.
Haithabu war jetzt wegen seiner Lage an den Handelswegen zwischen dem Fränkischen Reich und Skandinavien sowie zwischen Ostsee und Nordsee Haupthandelsplatz. Adam von Bremen bezeichnet „Heidiba“ als portus maritimus, von dem aus Schiffe bis nach Schweden und sogar Griechenland (Byzanz) geschickt wurden. Besonders die Herstellung und Bearbeitung von Tonwaren (Geschirr), Glas und Werkzeug wurde wichtig für die Bedeutung Haithabus, das auch von arabischen Händlern und Reisenden (so 965 von Ibrahim ibn Jaqub) besucht und beschrieben wurde.
948 wurde Haithabu Bischofssitz, nachdem schon um 850 die erste christliche Kirche errichtet wurde. Die Existenz dieses Baus ist zwar in den Schriftquellen sicher belegt, konnte aber noch nicht archäologisch nachgewiesen werden. Allerdings wurde eine aus dem 10. Jahrhundert stammende Kirchenglocke geborgen.
Im 10. Jahrhundert erreichte Haithabu seine Blütezeit und war mit mindestens 1.500 Einwohnern der bedeutendste Handelsplatz für den westlichen Ostseeraum. Im Jahre 983 erobert der dänische König Harald Blauzahn Haithabu für Dänemark zurück, doch in den Jahrzehnten um das Jahr 1000 gehörte die Siedlung offenbar wieder zum Machtbereich des deutschen Kaisers. Unter Kaiser Konrad II. wurde die Grenze dann vermutlich durch eine von Sven Gabelbart unternommene Kriegshandlung von der Schlei wieder an die Eider zurückverlegt.
Obwohl ein neun Meter hoher Wall nebst Palisade die Handelsstadt umgab, wurde sie im Jahr 1050 in einer Schlacht zwischen Harald Hardrada von Norwegen und Sweyn II. zerstört, nur teilweise wiederaufgebaut und dann 1066 von den Westslawen, die damals in den Gebieten östlich der Kieler Förde lebten, geplündert. Die Einwohner verlegten die Siedlung daraufhin nach Schleswig - auf dem anderen Ufer der Schlei - und bauten Haithabu nicht wieder auf.
Ausführliche Erwähnung findet Haithabu (Heidiba) in der Chronik des Erzbistums Hamburg, die Adam von Bremen im Jahr 1076 fertigstellte. Die Sachsen und Franken nannten die Siedlung Sliaswig und Sliaswich (Siedlung oder Bucht an der Schlei), wovon das heutige Schleswig abgeleitet ist.
Heute befindet sich in der Nähe des Halbkreiswalles das Wikinger-Museum Haithabu. Auf dem Gelände Haithabus selbst wurden von 2005-2007 sieben aus Befunden rekonstruierte Wikingerhäuser errichtet. 2008 wurde die Absicht bekannt gegeben, Haithabu zusammen mit dem Danewerk und anderen Wikinger-Stätten zu einem so genannten internationalen seriellen Unesco-Welterbe zu nominieren.
Die Siedlung
Rekonstruierte Häuser im Bereich der alten Siedlung
Die Hallenhäuser aus Holz und Flechtwerkwänden waren wahrscheinlich mit Reet oder Stroh gedeckt. Die überbauten Grundflächen variierten zwischen 3,5 x 17 Meter und 7 x 17,5 Meter. In der Siedlung wurden unterschiedliche Gräbertypen analysiert: dänische Brandgruben, schwedische Kammergräber, sächsische Urnengräber, christliche Erdgräber und slawische Urnengräber. Daraus lässt sich das Völkergemisch Haithabus erkennen, aber auch der Einfluss der Christianisierung (ab 826). Außerdem wurden unterschiedliche Werkstätten, Befestigungsanlagen, Landestege, Schiffbrücken und Speichergebäude gefunden.
Der Handel
Haithabu lag bei der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten: Wenige Kilometer westlich führte der Ochsenweg (dänisch Hærvejen, dt. Heerweg) vorbei, jahrhundertelang die entscheidende Süd-Nord-Verbindung von Hamburg bis Viborg in Jütland. In West-Ost-Richtung gab es eine Seehandelsroute zwischen Nord- und Ostsee, bestehend aus Eider, Treene, Rheider Au und Schlei. Dabei mussten die Schiffe von der Rheider Au zum Selker Noor (südliche Fortsetzung des Haddebyer Noors) wohl über Land gezogen werden. Nach anderen Theorien kann der Kograben knapp südlich des Danewerks als Schifffahrtskanal gedient haben.
Waren aus der gesamten damals bekannten Welt wurden in Haithabu gehandelt: aus Norwegen, Schweden, Irland, Baltikum, Konstantinopel, Bagdad. Dabei kamen aus Skandinavien vorwiegend Rohstoffe, aus den entfernteren Gebieten eher Luxusgüter. Durch archäologische Funde von eisernen Fuß- und Handfesseln ist ein Handel mit Sklaven belegt.
Für das Entstehen einer gewachsenen Stadt ist das Beispiel Haithabu, das ein Warenumschlagsplatz auf grüner Wiese ohne städtische Infrastruktur war, untypisch. Durch die zwangsweise Ansiedlung der Kaufleute von Rerik und den Zustrom von Handwerkern kam es zu einer Siedlungsverdichtung. Weil die Landbevölkerung ihre Getreideüberschüsse in die Stadt verkaufte und die Stadtbewohner deshalb nicht auf Selbstversorgung angewiesen waren, konnten sich dort differenzierte Tätigkeiten entwickeln.
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